für Mädchen und Jungs
absatz1
Mythen und Märchen über Verhütungsmethoden...
...oder: Wie du am besten schwanger wirst, wenn du es nicht willst...
bearbeitet von Claudia Borchers und Gisela Schnäbele

Mythos 1: "Heutzutage muss doch keine Frau ungeplant schwanger werden..."
Anstatt eines Vorwortes
- Wir leben heutzutage in einem "aufgeklärten" Zeitalter. Und in der
irrigen Annahme, dass alles machbar, steuerbar und planbar ist, gehen
viele Menschen davon aus, dass auch im Bereich der
Schwangerschaftsverhütung alles in den Griff zu bekommen ist.
"In der heutigen Zeit muss doch keine Frau schwanger werden, wenn sie
nicht will. Es gibt doch so viele Möglichkeiten der Verhütung." So hört
man oft.
Tatsächlich gibt es kein (kein!!) 100% sicheres Verhütungsmittel (außer
der sexuellen Enthaltsamkeit). Jede Verhütungsmethode und jedes
Verhütungsmittel hat eine gewisse Versagerquote.
Manches an diesen "Versagerquoten" beruht allerdings auf falschen
Informationen und wäre vermeidbar gewesen. Einige Mythen und Märchen zum
Thema Verhütung klingen sehr verlockend und halten sich über Generationen
als "Wahrheit".
Hier wollen wir 15 der gängigsten Mythen zur Verhütung unter die Lupe nehmen
- und widerlegen! Damit Sie auch morgen noch sicher verhüten können - denn Liebe
macht empfänglich...
absatz2


Mythos 2: "Jede Frau kann mit der Pille sicher verhüten"
Pille Pille über alles
- Die Pille ist das gängigste Verhütungsmittel, weil sie zwei große Vorteile
hat:
- Sie ist ein sehr sicheres Verhütungsmittel, wenn man sie richtig
einnimmt,
- und im Gegensatz zu Kondom oder Diaphragma muss man direkt beim Verkehr
auf nichts achten, das Paar ist frei für Liebe und Genuss.
- Jedoch sind auch die Nachteile zu bedenken:
- Bei manchen Krankheiten sollte man die Pille nicht nehmen. Bestimmte
Medikamente, z.T. auch "harmlose" Grippe- und Schmerzmittel, können die
Wirkung der Pille so beeinträchtigen, dass sie nicht mehr sicher wirkt.
- Es gibt Frauen, die aufgrund ihrer Lebenssituation Schwierigkeiten haben,
die Pille regelmäßig zu nehmen.
- Die Pille hat bei einigen Frauen Nebenwirkungen, die nicht zu
unterschätzen sind, wie z.B. Thrombosen oder Stimmungsschwankungen. Aber auch
"leichtere" Nebenwirkungen wie Brustspannen oder Übelkeit sind ernst zu nehmen
und ein guter Grund, auf andere Verhütungsmethoden umzusteigen.
- Die Pille bietet keinen Schutz vor einer HIV-Infektion!
Wenn Sie aus dem einen oder anderen Grund die Pille nicht nehmen wollen oder
können, haben Sie den Mut, Alternativen zu suchen. Sprechen Sie mit Ihrer
Frauenärztin/ Ihrem Frauenarzt und Ihrem Partner darüber.
absatz3


Mythos 3: "Ich kann meine fruchtbaren Tage ausrechnen und verhüte
dementsprechend..."
Der Mythos von der Berechenbarkeit
- Viele Frauen verlassen sich darauf, dass ihr Zyklus regelmäßig ist und
denken, sie könnten dadurch ihre fruchtbaren Tage ausrechnen.
- Aber der Eisprung kann sich jederzeit verschieben - durch Stress,
Krankheit, Klimawechsel oder auch durch Freude. D.h. keine Frau kann ihren
Eisprung genau voraus berechnen.
- Ein anderer Grund, warum das "Rechnen" so oft schief geht, ist die extrem
lange Überlebenszeit der männlichen Samenzellen. Sie können nämlich bis zu
acht (8!!) Tagen in der Gebärmutter überleben und auf den Eisprung "warten".
- Das "Rechnen" hat also ein doppeltes Risiko: Zum einen den möglicherweise
verschobenen Eisprung und zweitens die lange Überlebensdauer der männlichen
Samenzellen. Deshalb kann bei jedem Verkehr eine Schwangerschaft eintreten.
Der Eisprung kann nur mit Hilfe der Temperaturmethode oder des Urincomputers
festgestellt werden. Aber auch dann gilt: "sichere" Tage vor dem Eisprung gibt
es nicht! Erst danach kann auf andere Verhütungsmethoden (wie Kondom oder
Diaphragma) verzichtet werden.
absatz4


Mythos 4: "Mit Computern besonders sicher verhüten"
Viele Frauen denken, dass Verhütung mit dem Computer besonders sicher ist,
weil er sich nicht verrechnen kann.
- Aber wenn eine Frau sehr sicher verhüten möchte, sind die Computer
nicht geeignet, weil sie mit einer Versagerquote von 3% bzw. 6% unsicherer
sind als Pille, Kondom, Diaphragma oder Spirale.
Warum?
- Alle Computer ermitteln den Zeitpunkt des Eisprungs, entweder
anhand des Hormonspiegels im Urin oder mit der Temperaturmethode.
- Dabei wird aber nicht die extrem lange Überlebensdauer der
Samenzellen in der Gebärmutter berücksichtigt: bis zu acht (8!) Tagen.
- Das heißt, wenn der Computer den Eisprung anzeigt, können schon
seit Tagen befruchtungsfähige Samenzellen in der Gebärmutter auf
diesen Eisprung "warten" und dann zur Eizelle hoch wandern.
absatz5


Mythos 5: "Während der Menstruation kann ich nicht schwanger werden"
Doch, weil die Samenzellen bis zu acht Tagen überleben und in den Falten der
Gebärmutterhalses auf das Ende der Blutung und den Eisprung "warten" können.
- Deshalb müsst ihr auch während der Menstruation verhüten.
absatz6


Mythos 6: "Wenn ich stille, kann sie nicht schwanger werden..."
Wenn Frauen stillen, verzögert sich oft die erste Menstruationsblutung nach
der Geburt. Aber keine Frau kann voraussagen, wann ihre erste Blutung einsetzen
wird. Und weil der Eisprung immer vor der Blutung stattfindet, muss schon vor
dieser ersten Blutung wieder verhütet werden.
Auch "volles Stillen" (alle vier Stunden, Tag und Nacht, kein Zufüttern -
auch keinen Tee!!) verhindert nicht sicher einen Eisprung.
- In der Stillzeit verwendet am besten Kondome oder ein
Diaphragma. Nach der Stillzeit ist auch die Pille wieder möglich.
absatz7


Mythos 7: "Wenn Männer aufpassen, kann nichts passieren..."
"Aufpassen" heißt, dass der Mann vor dem eigentlichen Samenerguss sein Glied
aus der Scheide der Frau zurückzieht (lat. Coitus interruptus, unterbrochener
Geschlechtsverkehr). Aber auch schon vor dem eigentlichen Samenerguss kann
unbemerkt etwas Samenflüssigkeit mit Samenzellen in die Scheide der Frau gelangt
sein (mit dem so genannten "Lusttropfen").
- Eine Samenzelle reicht aus, um schwanger zu werden. Darum ist
"Aufpassen" keine Verhütungsmethode.
- Außerdem stört es den Spaß und die Lust, immer krampfhaft daran denken
zu müssen, dass das Glied ja rechtzeitig aus der Scheide zurückgezogen
wird.
absatz8


Mythos 8: "Kondome stören das Gefühl"
Viele Männer benützen Kondome nicht gerne, weil sie das Gefühl oder die
Stimmung stören. Das kann sein. Aber meistens liegt es nicht an dem 0,03
Millimeter dünnen Kondomen, sondern an dem Stress, der oft mit dem Gebrauch
verbunden ist.
- Diesen Stress kann man abbauen, indem Mann in Ruhe vorher mal alleine
übt. Dann ist es im entscheidenden Moment schon zur Routine geworden und
stört nicht mehr so. "Mit Kondom spür ich gar nicht so viel, weil immer
was dazwischen ist – ohne ist es schöner." Mal ehrlich: Stimmt, am
schönsten ist es ohne. Aber an 0,03 mm kann Mann sich gewöhnen und dafür
ist man vor einer Schwangerschaft oder einer Infektion geschützt und hat
trotzdem viel Spaß.
absatz9


Mythos 9: "Kondome passen immer"
Viele Männer (und Frauen) denken, dass es Kondome nur ein einer Einheitsgröße
gibt, die für alle passend ist. Das stimmt nicht. So wie Männer unterschiedliche
Schuhgrößen haben, brauchen sie auch Kondome in verschiedenen Größen. Wenn das
Kondom immer wieder abrutscht, dann ist es entweder zu groß oder zu klein.
Näheres zu dieser spannenden Frage sowie Empfehlungen zum Kauf und zur Benutzung
von Kondomen gibt es hier im dr-winter-team.
absatz10


Mythos 10: "Doppelt sicher verhüten mit Kondom und Scheidenzäpfchen"
Viele Paare verhüten mit Kondomen, trauen ihnen aber nicht so ganz und
beschließen, zusätzlich Scheidenzäpfchen zu nehmen - nach dem Motto: doppelt
verhütet ist doppelt sicher.
- Das ist nicht notwendig: Kondome reichen zur Verhütung aus.
- Scheidenzäpfchen können zu unangenehmem Brennen an Scheide und
Penis führen.
- Wenn Sie trotzdem doppelt verhüten wollen, können Sie auch Kondom
und Diaphragma verwenden.
- Wer dennoch Kondome und Scheidenzäpfchen verwenden will, muss
unbedingt darauf achten, dass die Scheidenzäpfchen nicht fettlöslich
sind. Sonst greifen sie das Latex des Kondoms an und machen es kaputt.
absatz11


Mythos 11: "Diaphragma - das ist doch ziemlich unsicher"
Das stimmt nicht. Das Diaphragma ist, obwohl es schon vor über 100 Jahren
entwickelt wurde, auch heute noch ein sicheres Verhütungsmittel.
Das Diaphragma ist ein flaches Hütchen aus Latex.
- Es kann direkt vor dem Verkehr - oder bis zu zwei
Stunden vorher - in die Scheide eingeführt werden. Mit etwas
Übung geht das ganz leicht, so ähnlich wie beim Tampon.
- Für die Sicherheit ist es wichtig, das Diaphragma vor dem Gebrauch
mit einem samenabtötenden Gel zu bestreichen und es nach dem Verkehr
sechs Stunden in der Scheide liegen zu lassen, damit auch wirklich
alle Samen abgetötet sind.
- Ein wesentlicher Vorteil des Diaphragmas besteht darin, dass man nicht
während des Verkehrs "rumhantieren" muss, sondern sich ganz aufeinander
konzentrieren kann.
- Achtung: Das Diaphragma schützt nicht vor Aids.
absatz12


Mythos 12: "Wenn ich mich sterilisieren lasse, bin ich kein richtiger Mann/
keine richtige Frau mehr..."
oder: Eine Frage der Ehre
Das stimmt nicht, weil weder die Hoden noch die Eierstöcke entfernt werden.
Diese bilden auch nach einer Sterilisation weiter die Sexualhormone, die den
Mann zum Mann und die Frau zur Frau machen.
Das heißt:
- Die Gefühle bleiben (medizinisch gesehen) wie vorher. Aber weil
die Angst vor einer Schwangerschaft wegfällt, erleben viele ihre
Sexualität und Lust intensiver und unbeschwerter.
- Beim Mann bleibt die Potenz unverändert erhalten und auch die
Menge der Samenflüssigkeit beim Erguss bleibt gleich - nur die
Samenzellen fehlen.
- Die Frau hat weiterhin regelmäßig ihre Blutung (außer wenn
zusätzlich die Gebärmutter entfernt wurde).
- Seelische oder auch sexuelle Probleme entstehen nur, wenn ein Mann
oder eine Frau sich zur Sterilisation überreden lässt, ohne es selbst
wirklich zu wollen.
absatz13


Mythos 13: "Der Arzt hat gesagt, ich kann sowieso nicht schwanger werden"
oder: Wunder gibt es immer wieder
Vorsicht! Hat der Arzt wirklich gesagt, dass Sie 100%ig sicher keine Kinder
bekommen können?
- Manche Frauen erhalten von ihrem Arzt die Mitteilung, dass sie
Schwierigkeiten haben werden, schwanger zu werden, z.B. weil ihre
Blutung so unregelmäßig ist, kein Eisprung zu erkennen ist, oder
Zysten in den Eierstöcken auftreten.
- Auch wenn Sie bisher nicht verhütet haben und trotzdem nicht
schwanger geworden sind, heißt das nicht, dass Sie überhaupt nicht
schwanger werden können.
- Fragen Sie lieber noch einmal bei Ihrem Arzt / Ihrer ärztin nach, ob
und warum bei Ihnen eine Schwangerschaft nicht möglich ist. Lassen Sie
sich dies ausführlich erklären und gegebenenfalls schriftlich geben.
- Denken Sie daran: Wunder gibt es immer wieder... und die Natur ist
sehr erfinderisch, wenn es um die Erhaltung der menschlichen Art geht.
- Für die Männer: Wenn die Untersuchung der Samenflüssigkeit (Spermiogramm)
ergeben hat, dass zu wenig normale, gut bewegliche Samenzellen vorhanden
sind, heißt das noch lange nicht, dass Sie zeugungsunfähig sind. Schon die
nächste Untersuchung kann ganz anders aussehen.
- Und: es "reicht" eine einzelne fitte Samenzelle, die den Weg zur
Eizelle findet, um ein Kind zu zeugen.
absatz14


Mythos 14: "Wenn ich über 40 bin, werde ich nicht mehr schwanger"
oder: Alter schützt vor Schwangerschaft nicht
- Irrtum! Es gibt Frauen, die mit über 50 noch schwanger werden.
- Sie müssen so lange verhüten, bis Ihre Monatsblutung länger als ein
Jahr ausgeblieben ist. Erst dann können Sie sicher sein, dass Sie keinen
Eisprung mehr haben und nicht mehr schwanger werden können.
- Wenn Sie sicher sind, dass Sie keine Kinder mehr wollen, könnte eine
Sterilisation die geeignete Verhütungsmethode für Sie oder Ihren Partner
sein.
absatz15


Mythos 15: "Wird schon nichts passieren"
oder: Einmal ist keinmal
- Pille vergessen?
- Kondom abgerutscht?
- einfach gar nicht an Verhütung gedacht?
- oder....?
- "Wird schon nichts passiert sein ..."
Kann sein, kann aber auch nicht sein: Wollen Sie es wirklich darauf anlegen
und in den nächsten vier Wochen unruhig auf die Blutung warten?
Denken Sie daran, dass bei jedem ungeschützten Verkehr eine Schwangerschaft
eintreten kann.
Zum Glück gibt es die "Pille danach":
- Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden (evtl. bis 72 Stunden) nach
einem ungeschützten Verkehr die "Pille danach" einnehmen, verhindert
sie ziemlich sicher eine ungewollte Schwangerschaft.
- Die Pille danach erhalten Sie nur auf ärztliches Rezept.
Ausstellen kann dies jeder Arzt / jede Ärztin (auch der
ärztliche Bereitschaftsdienst oder das Krankenhaus).
- Die "Pille danach" ist eine Notfallmethode und kein
Verhütungsmittel. Darum ist die Hormondosis anders und viel höher als
in der normalen Pille.
absatz16


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Weitere Infos zu Verhütungsmittel findest du im dr-winter-team
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